Fotos in Farbe waren schon im 19. Jahrhundert beliebt. Zunächst wurden die Aufnahmen von Hand koloriert oder ganz flächig eingefärbt. Später suchte man nach Verfahren, fotografische Abbildungen in Farbe entstehen zu lassen.
Alle fotografischen Verfahren zeichnen grundsätzlich Helligkeitsunterschiede auf. Es gibt zunächst nur Hell und Dunkel in der fotografischen Technik. Um ein Farbbild zu erzeugen - egal ob digital oder analog – werden immer drei Teilbilder benötigt, die durch drei Farbfilter in den drei Grundfarben aufgenommen werden. Drei Farben reichen aus, um bei der Darstellung auf Papier oder einem Bildschirm wieder alle sichtbaren Farben durch Mischung entstehen zu lassen, nach einen ähnlichen Mechanismus, wie er auch im menschlichen Auge stattfindet.

Sergei Prokudin-Gorski: Russische Bauernmädchen, ca. 1905, aufgenommen mit einer Dreifarbenkamera auf drei Fotoplatten in den drei Grundfarben

Die ersten Verfahren zur Erzeugung von Farbfotos aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen drei einzelne Teilbilder, so genannte Farbauszüge, auf Schwarzweiß Fotoplatten auf, die durch drei Farbfilter in den Grundfarben Blau, Grün und Rot entstanden. Der russische Fotograf Sergei Michailowitsch Prokudin-Gorski (1863–1944) fotografiert ab 1905 mit seiner Dreifarbenkamera in Russland in offizieller Mission von Zar Nikolaus II. Mit seiner komplizierten Spezialkamera mit einem Wechselschlitten für die drei Fotoplatten entstanden in zehn Jahren knapp 10.000 Bilder. Prokudin-Gorski floh 1918 nach der Oktoberrevolution vor den Kommunisten nach Paris, wo er 1944 starb. Seine Erben vermachten 1948 die geretteten Farbfotos der amerikanischen Library of Congress.

Flugzeug Ausstellung im Grand Palais in Paris, aufgenommen auf Autochrome Fotoplatte, 1914

Für die Amateurfotografie waren es die Gebrüder Lumière, die 1907 mit ihren Autochrome Fotoplatten das erste kommerziell erfolgreiche farbfotografische Material auf den Markt brachten. Die Fotoplatten waren mit rot, grün und blau eingefärbten Stärke-Körnern aus Kartoffelmehl und einer Bromsilber-Gelatine-Emulsion versehen. Die Stärkekörnchen wirkten als rasterartige Farbfilter, wovon sich die Bezeichnung Kornrasterverfahren für diese Verfahren ableitete. 
 Die frühe Verfahren der Farbfotografie wurden von 1900 bis ca. 1950 angewendet, bis sie von modernen Farbmaterialien wie dem Kodachrome oder Agfacolor abgelöst wurden. Farbige Abzüge entstanden bis in die 1950er Jahre hinein in drei Teilschritten, die die drei Farbschichten in den Grundfarben wieder übereinander druckten.
Auch wenn Farbfotos in den 1930er Jahren bereits Einzug fanden in die Illustrierte Presse, konnten sie doch lange Zeit nicht gegen die etablierte Schwarzweiß Ästhetik "anstinken". Erst in den 1970er Jahren fand ein Umdenken in vielen Bereichen der Fotografie statt. Fotografen, die bis dahin bevorzugt in Schwarzweiß fotografiert hatten, begannen die Möglichkeiten der Farbfotografie zu erkunden. Der Fotograf Frank Horvat stellte in den 1980er Jahren ganz lapidar fest: „Und vor allem: Die Fotografie ist heute in Farbe, Ende der Diskussion. Schwarzweiß ist zu gekünstelt geworden.“
Kodachrome gerahmte Kleinbild Dias
Kodachrome gerahmte Kleinbild Dias
Kodachrome Werbung
Kodachrome Werbung
Kodachrome Kleinbild Patrone
Kodachrome Kleinbild Patrone
Kleinbild Filmstreifen mit Dia Aufnahmen
Kleinbild Filmstreifen mit Dia Aufnahmen
Der Kodachrome
Kodachrome war der Markenname eines legendären von 1935 bis 2009 produzierten Farbumkehr- bzw. Diafilms des US-amerikanischen Unternehmens Kodak. Wahrscheinlich ist er auch der einzige Farbfilm, der von einem Popstar in einem Welthit besungen wurde (Paul Simon: "Kodachrome"). Musikalisch waren auch die Erfinder des Kodachrome Filmmaterials. Es waren die beiden Musiker Leo Godowsky jun. und Leopold Mannes, die als Kodak-Mitarbeiter im Forschungslabor das neue Material bis zur Produktionsreife entwickelten. Das neue Material wurde in verschiedenen Einsatzgebieten auch von namhaften Schwarzweißfotografen wie Ansel Adams, Walker Evans oder Edward Weston getestet.
Die Qualität des Kodachrome blieb bis heute unerreicht. Bereits in den 1940er und 1950er Jahren entstanden farbige Reportagen, Kinofilme und Modefotos für große Magazine wie Life, Look, Harper's Bazaar und Vogue mit dem Kodachrome Material. Insbesondere die vier US-amerikanischen Fotografen William Eggleston, Ernst Haas, Saul Leiter und Joel Meyerowitz wurden zu wichtigen Vorreitern der modernen Farbfotografie. Bis heute spektakulär sind die auch Modefotos von Erwin Blumenfeld, die ebenfalls in dieser Zeit für die Zeitschrift Vogue entstanden. 
In den 1960er Jahren brachte der Hersteller Kodak die sehr erfolgreiche Instamatic Kamera-Serie auf den Markt, die die Farbe endgültig in der Amateurfotografie etablierte. Auch anderen große Fotokonzerne wie Agfa und Fuji folgten mit eigenen Materialien und Kameras.
Meine ersten Erfahrungen mit der Farbe
Auch ich habe gerne mit dem Kodachrome fotografiert, was jedes Mal bei der Aufnahme ein radikales Umdenken von schwarzweiß auf Farbe erforderte und mich dazu brachte, Dinge zu fotografieren, die ich in Schwarzweiß nie aufgenommen hätte.

Haustür in Bern, 1972 (Aufnahme: Peter Golz, auf Kodachrome Diafilm)

Baustellen Absperrung in Lissabon, 1980 (Aufnahme auf Kodachrome, Peter Golz)

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