In insgesamt 30 Reisen nach und durch Madagaskar habe ich viele Aspekte der viertgrößten Insel der Welt mit ihrer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt erlebt und viel über die Kultur und Bräuche der Einwohner gelernt.
Die Bewohner der ostafrikanischen Insel Madagaskar stammen ursprünglich aus dem südostasiatischen Raum und gründeten in Madagaskar ein Königreich, das bis zum Ende des 19. Jahrhunderts existierte. Als alleinige Landessprache entwickelte das malagasy, das von allen 12 Bevölkerungsgruppen gesprochen wird.
Das zentrale Hochland Madagaskars ist die Reiskammer des Landes. Im Osten der Insel zieht sich eine Gebirgskette mit Regenwäldern und zahlreichen Schutzgebieten entlang, der Norden ist tropisch heiß und beherbergt Plantagen für Kakao und Vanille. Der Südwesten Madagaskars ist kaum erschlossen und Heimat großer Trockengebiete und Wüsten. Die Küste, die Madagaskar mit dem Indischen Ozean im Osten und dem Kanal von Mosambik im Westen bildet, ist mehr als 5000 km lang.
Der Inselkontinent Madagaskar ist fast zweimal so groß wie Deutschland. Wirtschaftlich hat sich Madagaskar seit dem Ende der kommunistischen Periode Anfang der 1990er Jahre nicht wieder erholen können und gehört seit 1990 dauerhaft zu den 10 ärmsten und unterentwickeltsten Ländern der Welt. Eine nennenswerte touristische Infrastruktur hat sich nie entwickelt. Dafür sind die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen zu unstabil.
Erdgeschichtlich war Madagaskar ursprünglich mit dem afrikanischen Kontinent verbunden und bildete mit der Antarktis, Australien und Indien zusammen den südlichen Urkontinent Gondwana. Vor 250 Millionen Jahren begann dieser Kontinent auseinanderzubrechen. Spätestens seit 70 Millionen Jahren ist Madagaskar komplett vom afrikanischen Kontinent getrennt und konnte sich damit zum Museum lebender Fossilien entwickeln, wie Naturforscher die Insel bezeichnen.
Dorfschule mit der madegassischen Flagge in Vohipeno im südlichen Hochland Madagaskars
Menschen und Kultur Madagaskars
Die Menschen der roten Insel Madagaskar entstammen einem bunten Völkergemisch mit oft malaiischen Gesichtszügen. Die Insel wurde durch mehrere Einwanderungswellen, vor allem aus dem indonesischen Raum während der letzten 1000 Jahre besiedelt. In der wechselvollen Geschichte Madagaskars haben sich zunächst zahlreiche kleine Königreiche gebildet, die schließlich am Ende des 18. Jahrhunderts zum Königreich Madagaskar mit der Hauptstadt Antananarivo vereinigt wurden. 1896 wurde die Insel Madagaskar zur französischen Kolonie und ist seit 1960 eine unabhängige Präsidialrepublik mit einer aktuellen Bevölkerungszahl von mehr als 30 Millionen Menschen.
Mehr als 75% der Madagassen leben von weniger als 1 Euro pro Tag und fallen damit unter die Armutsgrenze. Nach Einschätzung der Unicef ist Madagaskar nach Afghanistan und Haiti das drittärmste Land der Welt gemessen am Grad der dauerhaften Unterernährung und der geringen Einschulungsrate.
Basis des traditionellen Lebens und der Sitten und Gebräuche der Madagassen sind so genannte fady, Verbote und Tabus, die von den Ahnen stammen und bis heute Gültigkeit haben. Astrologen und Wahrsager sind die Bewahrer dieser uralten Überlieferungen. Riten und Feste halten die Traditionen am Leben. Glaube und Tod liegen dicht beieinander, denn alles dreht sich um den Totenkult. Talismane und Amulette schützen die Lebenden vor allen störenden Einflüssen durch die Geister der Toten. Die wichtigsten madagassischen Traditionen sind die Beschneidung der Jungen, die traditionelle Hochzeit mit ihrer ritualisierten Redekunst und der Ahnenkult, der sich am offensichtlichsten im Fest der Totenumwendung (famadihana) manifestiert, die vor allem im Hochland praktiziert wird.
Die überall im Land gesprochene Landessprache, das malagasy, gehört zur austronesischen Sprachfamilie mit großen Ähnlichkeiten zu den Sprachen, die auf der Insel Borneo gesprochen werden. Die Traditionen der Madagassen basieren nicht auf schriftlichen Aufzeichnungen, sondern allein auf mündlichen Überlieferungen, die sich oft in Sprichwörtern und Legenden wiederfinden. So spielt das gesprochene Wort eine besondere Rolle im täglichen Leben der Madagassen, die oft hervorragende Redner sind. Das Ansehen einer Persönlichkeit hängt in erster Linie von ihrer Fähigkeit ab, eine gute und überzeugende Rede zu halten nach dem Motto: ny vava soa sakafo, auf deutsch: "Eine gute Rede kann sogar den Hunger besiegen!". Die wichtigsten verbalen Ausdrucksformen sind die ohabolana (Sprichwörter), alltägliche Weisheiten aus der Beobachtung der Natur oder dem täglichen Leben inspiriert, die kabary (Ansprachen), die zu allen offiziellen Anlässen dazugehören, die hainteny (Liebeserklärungen) sind Dialoge zwischen Liebenden, voller Poesie und erotischer Anspielungen und nicht zuletzt die hira (Gesang), meist nostalgische Gesänge, die von valiha (Bambuszither) und sodina (Flöte) begleitet werden.
Die Küche Madagaskars ist, genauso wie die Landwirtschaft, dominiert vom Reis, von dem jeder Madagasse täglich bis zu 500 g verzehrt. Das beliebteste Zuchttier ist das Zebu, ein Buckelrind, das vor allem im Süden anzutreffen ist. Rindfleisch, Schweinefleisch und Hühnerfleisch sind allgegenwärtig in der madagassischen Küche, in der auch viele Bohnensorten und Blattkräuter zum Einsatz kommen.
Bauernmarkt im Hochland von Madagaskar
Beliebter Treffpunkt in vielen Orten ist die Wasserstelle
Restaurant Küche auf einem Dorfmarkt
Straßenmarkt in Antananarivo
Vorort von Antananarivo
Straßenszene in Antananarivo
Straßenszene in Antananarivo
Bauernmarkt in Ambatolampy im zentralen Hochland
Bauernfamilie im Hochland
Dorffest im Hochland bei Ambatolampy
Mädchen mit traditioneller Haartracht an der Ostküste
Star ist die größte Brauerei Madagaskars
Dorffest für eine Totenumwendung (Famadihana)
Herstellung von Schuhsohlen aus Autoreifen
Fischtransport an der Ostküste zum Dorfmarkt
Dorfmarkt im zentralen Hochland
In den Straßen von Antananarivo
lokales Königspaar bei Vohipeno im Süden
Mädchen in Antananarivo beim Wasserholen
Kokosnussverkäufer in einer Hotelanlage im Osten bei Mahavelona
Fischerfrauen an der Ostküste
Der Pangalanes Kanal entlang der Ostküste ist ein wichtiger Transportweg
Markt in Ranomafana im südlichen Regenwald Madagaskars
Reisbauer beim Pflügen seines Feldes im zentralen Hochland
Pousse Pousse, Rikscha in Tamatave
Ochsenkarren als wichtiges Transportmittel auch an der Küste
Fischerfamilie von der Volksgruppe der Vezo an der Südwestküste Madagaskars
Küche und Wohnraum einer 12-köpfigen Familie in Antananarivo
Taxi Brousse, Buschtaxi an der Ostküste Madagaskars
Dorf bei Mahavelona an der Ostküste
Famadihana, Feier der Totenumwendung mit Leichenbündeln
Das zentrale Hochland Madagaskars
Das Hochland Madagaskars zieht sich auf einer Höhe von rund 1000 m von Norden nach Süden durch die gesamte Insel, im Osten begrenzt durch eine zum Indischen Ozean abfallende Bergkette mit dauerfeuchten Regenwäldern. Reisfelder wechseln sich ab mit Hügeln und Berglandschaften aus rotem Lateritgestein.
Antananarivo im zentralen Hochland ist Hauptstadt und wirtschaftliches Zentrum Madagaskars. Die Gründung der Stadt geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Der Königspalast von Antananarivo, der Rova, zeugt von der Geschichte des Königreichs Madagaskar, die 1896 mit der französischen Kolonialzeit endete. Die Stadt liegt auf einer Höhe von 1350 m und ist großräumig von Reisfeldern umgeben.
Während der französischen Kolonialzeit in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Verkehrsnetz nach französischem Vorbild zentral auf die Hauptstadt Antananarivo ausgerichtet. Auf dem Landwege kann man von der Hauptstadt aus alle wichtigen Ziele in Madagaskar erreichen. Der Flughafen von Antananarivo ist der zentrale Anlaufpunkt für nationale und internationale Flüge. Die Fluggesellschaft Air Madagascar unterhält ein loses Netz an Inlandsflügen, über das auch viele Ortschaften zumindest einmal wöchentlich erreichbar sind.
In der Umgebung von Antananarivo, im Kernland der Volksgruppe der Merina, dem Imerina, befinden sich die 12 heiligen Hügel des Königreichs der Merina in einem Umkreis von bis zu 60 km um Antananarivo. Es sind vor allem diejenigen Hügel heilig, die in der Geschichte der Merina Wohnsitze von bedeutenden Königen waren und heute deren als heilig geltende Grabstätten beherbergen. Ein Ausflug in das Hochland ist wie eine Zeitreise in eine Welt von kleinen Dörfern mit ihren roten Lehmhäusern inmitten von Reisfeldern, eine bäuerliche Welt, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat. Das Ganze ist eingebettet in eine grandiose Hügellandschaft, die immer wieder von gewaltigen Felsformationen durchbrochen wird.
Zentrales Hochland von Madagaskar
Zentrales Hochland von Madagaskar
Hochlanddorf bei Arivonimamo
Zentrales Hochland von Madagaskar
Zentrales Hochland von Madagaskar
Vulkanlandschaft bei Itasy
Rindermarkt bei Ambatolampy
Reisfelder bei Ambatolampy
Bauernhof bei Itasy
typische Lehmmauer im Hochland
Hochlanddorf bei Ambatolampy
Großküche bei einer Dorffeier
Zentrales Hochland von Madagaskar
Bauernhäuser im zentralen Hochland von Madagaskar
Reisanbau im Süden Madagaskars
Zentrales Hochland von Madagaskar
Reisernte im Hochland Madagaskars
heiliger Baum im Zugang zum Königspalast von Ambohimanga
Alter Königssitz in Antongona
Tiere und Pflanzen in Madagaskar
Die vier Klimazonen Madagaskars sind die Heimat von zahllosen endemischen Arten, wie den über 100 Lemurenarten, Chamäleons und Eidechsen, Baobabs und Flaschenbaumgewächse oder Sukkulenten in den Trockengebieten.
Madagaskar ist frei von großen Tieren, Raubtieren oder lebensgefährlich giftigen Schlangen. Einzige Ausnahmen sind das Krokodil, das in freier Wildbahn allerdings nur noch selten anzutreffen ist, und die bis zu 14 kg schwere Schleichkatze Fossa (fossa fossana) als einzige Raubtiere der Insel. Viele Gattungen der madagassischen Tierwelt sind auch heute noch teilweise unerforscht, insbesondere, was die kleineren Arten und Insekten betrifft, die in den unzugänglichen Baumkronen der Regenwälder leben. Auffällig ist der extrem hohe Grad von Endemismus der meisten Gattungen, der sich nach der erdgeschichtlichen Abtrennung Madagaskars vom afrikanischen Kontinent seit gut 100 Millionen Jahren ausbilden konnte.
Mehr als 100 Schutzgebiete und Nationalparks bewahren das Naturerbe der roten Insel. Viele sind nur für Forschungszwecke zugänglich. Touristisch erschlossen sind die wichtigen Nationalparks, die von der ANGAP in Antananarivo verwaltet werden. Der Besuch ist nur mit einem offiziellen Führer gestattet, der jeweils vor Ort zur Verfügung gestellt wird und dort bezahlt werden muss. Die 15 Nationalparks in Madagaskar sind Montagne d'Ambre, Isalo, Mantadia, Ranomafana, Mananara Nord, Andohahela, Andringitra, Ankarafantsika, Baie de Baly, Bemaraha (südlicher Teil), Isalo, Kirindy Mite, Mananara-Nord, Mantadia, Marojejy, Masoala, Midongy du Sud, Tsimanampetsotsa, Tsingy de Namoroka, Zahamena (nur teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich) und Zombitse Vohibasia.
verliebte Baobabs im Westen Madagaskars
Baobabs im Hochland von Madagaskar
Sukkulente im Süden
drei Baobabs im Norden Madagaskars
kleinstes Chamäleon der Welt
Eidechse
Indri Indri Lemur im Andasibe Nationslpark
Vari im Osten
Sifaka Lemur im Süden von Madagaskar
Strahlenschildkröte an der Ostküste Madagaskars
Der größte Baobab der Welt in Mahajanga
Nilkrokodile im Hochland
Schraubenpalme
Lemur Sifaka im südlichen Trockengebiet Madagaskars
Ravenala Palme, der Baum der Reisenden
Die Küstengebiete Madagaskars
Mit einer Gesamtlänge von über 5000 km ist die Küste Madagaskars ein wichtiger Lebensraum für die Bewohner Madagaskars.
Die lange Ostküste Madagaskars ist das Heimatgebiet der tropisch-feuchten Regenwälder. Toamasina (französisch: Tamatave) ist die große Hafenstadt im Osten von Madagaskar. Die regenreiche Ostküste Madagaskars fällt vom Hochland her steil ab und verfügt über einem für die Landwirtschaft nutzbaren, fruchtbaren Streifen von nur 20 km Breite, der die Insel Madagaskar von Norden nach Süden durchzieht.
Entlang der Ostküste zieht sich ein 645 km langer halb künstlicher, halb natürlicher Süßwasser-Kanal entlang. Der Canal des Pangalanes (madegassisch: Lakandranon’ny Pangalana) verläuft von Toamasina (Tamatave) im Norden bis nach Farafangana im Süden. Er passiert den See Lac Rasoabe, an dem der wegen seines Strandes bekannte Ort Ferienort Manambato liegt. Der Kanal ist die Lebensader der Region, in der es keine Straßen gibt. Die Landzunge zwischen dem Kanal und Indischem Ozean ist stellenweise nur 100 m breit. Die ehemalige Seeräuberinsel Ste. Marie vor der Ostküste Madagaskars trägt heute den Namen Nosy Boraha und hat viel von ihrem ursprünglichen, wilden Charm bewahrt.
Der Norden der Insel liegt nahe am Äquator und ist das bevorzugte Anbaugebiet von cash crops wie Kakao, Vanille, Nelken und Kaffee. Antsiranana (gebräuchlicher französischer Name: Diego Suarez) ist die Hafenstadt des Nordens in der Bucht von Diego Suarez, die bereits im 17. Jahrhundert ein beliebter Anlaufpunkt für Piraten war, die hier ihre berühmte Republik Libertalia gründeten. Der tropisch-heiße Norden mit seinen Naturparks wie dem Montagne d'Ambre und den berühmten Tsingys, der Vanilleküste mit den Vanillehochburgen Antalaha und Sambava, Zuckerrohr-, Kaffee- und Kakaoplantagen im Gebiet von Ambanja, ist der Inbegriff dessen, was die Tropen an Reichtum bieten können. Die kleine, paradiesische Tropeninsel Nosy Be, nur wenige Kilometer vor der Nordwestküste von Madagaskar gelegen, beheimatet das Schutzgebiet von Lokobe im Südosten der kleinen Insel.
Der Westen Madagaskars liegt im Regenschatten der Insel gegenüber der Ostküste Afrikas. Die Gegend von Morondava, auf madegassisch das Menabe, im trockenen Westen von Madagaskar ist berühmt für ihre Baobab-Wälder und Sukkulenten-Flora. Die westliche Küstenstadt Morandava ist Ausgangspunkt für Ausflüge in die Schutzgebiete von Kirindy, Bemaraha mit den berühmten Tsingy's und der Baobab-Allee.
Der eher trockene Süden Madagaskars ist dominiert von Trockensavannen. Die kleine Küstenstadt Fort Dauphin (auf madegassisch: Tolanaro) im Südosten von Madagaskar ist idealer Ausgangspunkt zu mehreren Naturparks im Südosten Madagaskars, sowohl in der Feuchtzone im Osten als auch in die Trockenzone, die 50 km westlich von Fort Dauphin beginnt, wie der berühmte private Naturpark von Berenty mit seinen vielen Lemurenarten.
Bucht im Nordwesten von Madagaskar
Buch nördlich von Tamatave
Fischerboote bei Tolanaro im Süden
Canal des Pangalanes
Bucht von Masoala mit Blick auf die kleine Insel Mangabe
Fischerdorf bei Morondava im Westen Madagaskars
Canal des Pangalanes
Kanal Pangalanes
Insel Ste. Marie im Osten Madagaskars
Südküste